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Wie wird Reitkunst definiert ?

Dieser Eintrag stammt von Thomas Gross Am 18.7.2009 @ 11:42 In Blogroll | Keine Kommentare

Feldmarschall Franz von Holbein und Ober bereiter Johann Meixner haben diese Frage 1898 für die Spanische Hofreitschule wie folgt definiert.

Die wichtigste Feststellung wir gleich bei der Einleitung getroffen.

 

Die Reitkunst ist nie einseitig alleine die Hohe Schule. Sondern die Reitkunst umfasst drei Reitarten zusammen.

 

  1. Das Reiten mit möglichst natürlicher Haltung des Pferdes in nicht versammelten Gangarten auf geraden Linien- das sogenannte Gerade reiten. Diese Reitart kann für sich allein gedacht und durchgeführt werden.

  2. Das Reiten des versammelten Pferdes in allen Gangarten, Wendungen und Touren im vollkommenen Gleichgewicht. Dies fördert die Gehlust des Pferdes, bildet dessen natürliche Anlagen in Haltung und Gang aus, kräftigt das Pferd in allen seinen Gliedern und macht es biegsam und geschmeidig in den Bändern, Sehnen und Gelenken. Dadurch wird die Geschicklichkeit und Ausdauer des Pferdes erhöht, sein Intellekt und Begriffsvermögen geweckt und zugleich dem Reiter der Maßstab für die Arbeit wie für den methodischen Vorgang in der weiteren Dressur gegeben. In dieser Form sind nur die gewöhnlichen, natürlichen Gänge und Sprünge zu entwickeln, dem Pferd die hierzu nötige Biegung in Rippen, Hals und Ganaschen zu geben und die der jeweiligen Bauart entsprechende Stellung zu verlangen. Erst wenn dies alles erreicht ist, darf zur Kunst, d.h. Zur Hohen Schule übergegangen werden, weil man sich Natur ohne Kunst denken kann, niemals aber Kunst ohne Natur. Diese zweite Reitart, die schon eine Folge der ersten sein wird, stellt mithin die einzige richtige Vorbereitung für die hohe Schule dar.

  3. Das Reiten des Pferdes in künstlich aufgerichteter Haltung mit verstärkter Biegung der Hankengelenke sowie Regelmäßigkeit, Gewandheit und Geschicklichkeit in allen gewöhnlichen, wie der Natur abgelauschten außergewöhnlichen und künstlichen Gängen und Sprüngen. Dies alles auf methodischem Wege zur Geltung und höchsten Vollendung gebracht heißt: Hohe Schule.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die „Hohe Schule“ nur nach einer langen Ausbildung von 4-6 Jahren geritten wird, dann kann man sich vorstellen, was die heutige reiterliche Praxis mit Reitkunst zu tun hat.

  • zu wenig Reiten in natürlicher Haltung

  • von Anfang an „künstlich verbogene Hälse“

  • Inflationärer Einsatz der so genannten Versammlung

  • zu wenig entspanntes Reiten, zu viel gewaltbetontes Reiten

  • zu wenig Zeit, zu viel Druck

 

Wir sollten uns wieder auf die Reitkunst besinnen. Reiten ist kein Sport sondern eine Kunst. Um diese Kunst zu erlernen braucht es Talent, Hingabe und Zeit.

 

 

Thomas Gross

[1] horsespirit_234×60.jpg

[2] www.horsespirit-training.com


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